Religionsgemeinschaften auf der COP21

Religionsgemeinschaften auf der COP21

Die Religionsgemeinschaften, sog. Faith Based Organsiations (FBO), tragen ihren Beitrag zu den Klimaverhandlungen bei. Beobachtungen aus der ersten Woche.

Zugang zu Insiderinformationen

Die Zivilgesellschaft ist für Einschätzungen, wie die Verhandlungen laufen, oder auch um Textvorschläge etc. zu machen darauf angewiesen, Informationen direkt von offiziellen Delegierten zu bekommen. Das kann von einem Stimmungsbild zu einem bestimmten Thema innerhalb der Delegation bis hin zu sog. „Red Lines“ in der Verhandlungsposition reichen. Oft hilft es, wenn ein „hoher geistlicher“, z.B. ein Bischof, solche Bilaterals anfragt oder zumindest mitkommt, weil manche Delegierte dazu neigen, dann eher einem Gespräch zuzustimmen. Allianzen, wie z.B. die ACT Alliance, ein Zusammenschluss unterschiedlicher religiöser Organisationen, bei der die EmK auch Mitglied ist, haben durch ihr Netzwerk so einen relativ guten Zugang zu Insiderinformationen.     

John Hill bei einer US Pressekonferenz

John Hill vertritt bei einer US Pressekonferenz die Stimme von Religionsgemeinschaften

Moralischer Kompass

Die Religionsgemeinschaften werden als moralischer Kompass wahrgenommen. Bei den Klimaverhandlungen geht es schon lang nicht mehr nur um Umweltschutz. Es geht auch um Klimagerechtigkeit, um Menschenrechte, um Genderfragen. Das alles sind Kernthemen der hier vertretenen Religionen, weshalb deren Aussagen bzw. Interventionen in diesen Gebieten oft große Aufmerksamkeit genießen. So wurde z.B. John Hill, der Leiter der methodistischen Delegation, als Sprecher auf einer Pressekonferenz der US Zivilgesellschaft eingeladen, um die Position der US-FBO zum Thema klimabedingte Schäden und Verluste zu beschreiben.

Beratung und Aktionen

Wie andere NGO arbeiten FBO auch aktiv am Text mit, z.B. indem sie für bestimmte Abschnitte Textvorschläge machen und sie den Delegierten vorlegen. Mehr zu der Arbeit sog. Policy Advisor gibt es z.B. in diesem Video, in dem Mattias Södeberg, der Leiter der ACT Alliance Delegation beschreibt, was seine Erwartungen für die zweite Woche sind.

Um die Delegierten auf bestimmte Themen hinzuweisen, können NGO und FBO kurze Stunts (Einlagen) veranstalten, wie z.B. einer der Act Alliance heute, der deutlich machen wollte, dass es die Verhandler tatsächlich in der Hand haben zu wählen, welche Art von Vertrag sie wollen: einen, mit dem die Welt auf 1.5°C Klimaerwärmung oder einen mit dem die Welt auf 3°C+ zusteuert.    

Text & Bild: Daniel Obergfell


Mehr Informationen von der Kli­ma­kon­fe­renz gibt es hier: