Über die Sorge für das gemeinsame Haus

Über die Sorge für das gemeinsame Haus

Welche Zukunft wollen wir? – Klare Botschaft aus dem Vatikan

Am 18. Juni 2015 wurde die lang erwartete Enzyklika „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ von Papast Franziskus veröffentlicht. Lang erwartet deshalb, weil das Oberhaupt der Katholischen Kirche deutlich wie nie zuvor darin die moralische Dimension des menschengemachten Klimawandels hervorhebt. Dazu schreibt Franziskus:

„Unser Haus wird zerstört, und das fügt allen Schaden zu, vor allem den Ärmsten. Mein Appell richtet sich an die Verantwortung. Es geht um die Aufgabe, die Gott dem Menschen in der Schöpfung gab: Den Garten, in den er ihn gesetzt hat, zu bebauen und ihn zu hüten“.

Zentral ist für Franziskus die Frage: „Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“ Er führt weiter aus:

„Darum reicht es nicht mehr zu sagen, dass wir uns um die zukünftigen Generationen sorgen müssen. Wir müssen uns bewusst werden, dass unsere eigene Würde auf dem Spiel steht. Wir sind die Ersten, die daran interessiert sind, der Menschheit, die nach uns kommen wird, einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen.“ (Punkt 160)

„Die verhängnisvollen Prognosen dürfen nicht mehr mit Geringschätzung und Ironie betrachtet werden. Wir könnten den nächsten Generationen zu viel Schutt, Wüsten und Schmutz hinterlassen. Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil, da er unhaltbar ist, nur in Katastrophen enden kann, wie es bereits periodisch in verschiedenen Regionen geschieht.“ (Punkt 161)

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, sieht in der Enzyklika einen wichtigen Beitrag unsere Konsumgesellschaft, die auf Kosten der Armen und der Umwelt basiert, auch über die Grenzen von Religionen hinaus zu diskutieren: „Der Papst setzt Impulse für eine breite gesellschaftliche Debatte. Er formuliert sie ausdrücklich auch als Diskussionsimpuls an Nichtchristen. Er ruft zur kulturellen Revolution gegen eine Wegwerfkultur auf, die Dinge, Menschen und andere Lebewesen als Wegwerfprodukte betrachtet. Papst Franziskus bleibt nicht abstrakt, sondern wird unbequem konkret. Er drängt darauf in den kommenden Jahren den Treibhausgasausstoß drastisch zu reduzieren und aus Kohle, Öl und Gas auszusteigen”.

Die Enzyklika erscheint in einer Zeit, in der die von Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel geplante Kohleabgabe kontrovers diskutiert wird und sich Länder der ganzen Welt auf die wichtige Klimakonferenz in Paris im kommenden Dezember vorbereiten.

Lesen Sie hier selbst die Enzyklika „Laudato Si„, erhältlich in acht Sprachen.

Lesen Sie hier die Pressemeldungen von Brot-für-die-Welt und die der Klima-Allianz.

 Bild: Jeffrey Bruno, CC

 

 


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