Bade­zim­mer — Rein und Unrein

Plas­tik im Bade­zim­mer

Jähr­lich wan­dern in Deutsch­land allein aus dem Bade­zim­mer 2075 Mil­lio­nen Plas­tik­fla­schen auf dem Müll [vgl. SZ]. Für vie­le Hygie­ne­pro­duk­te gibt es inzwi­schen (wie­der) plas­tik­frei­en Ersatz. Weni­ger bewusst ist uns, dass sich auch in vie­len Pfle­ge­mit­teln Plas­tik ver­birgt. Auf die­ses Mikro­plas­tik soll nun im Beson­de­ren ein­ge­gan­gen wer­den.

Was ist Mikro­plas­tik?

Als Mikro­plas­tik bezeich­net man Plas­tik­stü­cke, die klei­ner als 5 mm sind. Man unter­schei­det dabei Mikro­plas­tik, das gezielt her­ge­stellt wird, im Gebrauch ent­steht (z.B. Rei­fen­ab­rieb) und durch Zer­fall von Kunst­stof­fen ent­steht.

Gezielt her­ge­stell­tes Mikro­plas­tik wird auch in Kos­me­ti­ka ver­wen­det. Pro Jahr wer­den bei uns knapp 922 Ton­nen davon in Pfle­ge­ar­ti­keln ein­ge­setzt. Sie sor­gen zum Bei­spiel dafür, dass Dusch­gel bes­ser schäumt und glänzt.

Das vom Men­schen gemacht­eMi­kro­plas­tik fin­det sich inzwi­schen über­all auf der Erde. Wir atmen Mikro­plas­tik ein und neh­men es über die Nah­rung wie­der auf. Eine Wir­kung auf die Gesund­heit des Men­schen ist dabei nicht aus­zu­schlie­ßen. Ein wesent­li­ches Pro­blem von Mikro­plas­tik ist, dass es wie ein Magnet Schad­stof­fe anzieht. Im Magen-Darm-Trakt kön­nen die­se Gif­te dann an Men­schen (oder Tie­ren) frei­ge­setzt wer­den. Dane­ben beinhal­tet Mikro­plas­tik häu­fig Addi­ti­ve wie Weich­ma­cher, UV-Sta­bi­li­sa­to­ren, Flamm­schutz­mit­tel und Pig­men­te, die für Mensch und Natur eben­falls schäd­lich sein kön­nen.

Plas­tik­frei­es Bad – prak­tisch

  • Vie­le Unver­packt-Läden haben Alter­na­ti­ven zu Kunst­stoff ver­pack­ten Pfle­ge­ar­ti­keln: Zahn­putz-Pas­til­len, Sei­fen, Haar­sei­fe, Zahn­bürs­ten aus Holz…
  • Es gibt vie­le Pfle­ge­ar­ti­kel, die auf Mikro­plas­tik ver­zich­ten. Wer schau­en möch­te, ob sein Lieb­lings­sham­poo nicht dar­un­ter ist, fin­det beim BUND eine ent­spre­chen­de Lis­te [vgl. Lese­tipp 4]
  • Im Inter­net und in Büchern fin­den sich zahl­rei­che Rezep­te, wie man Pfle­ge­ar­ti­kel selbst  her­stel­len kann. Ein­fach mal aus­pro­bie­ren! [z.B. bei smar­ti­cu­lar]

Impuls: Rein und Unrein in der Bibel

66% der Deut­schen duschen min­des­tens ein­mal am Tag und Men­schen, die unhy­gie­nisch wir­ken, manö­vrie­ren sich schnell ins Abseits. Auch in der Bibel spielt der Gegen­satz von „rein“  (122 Nen­nun­gen in der Luther­bi­bel) und „unrein“ (203 Nen­nun­gen) eine gro­ße Rol­le. Bemer­kens­wert ist aber, dass „rein“ in der Bibel weni­ger ein hygie­ni­scher als mehr ein kul­ti­scher Begriff ist. „Rein­heit ist hier­bei in ers­ter Linie als Nor­ma­li­tät oder Ganz­heit zu den­ken […], die durch unrei­ne Din­ge oder Pro­zes­se gestört wird“ [Bibel­wis­sen­schaft NT].

Immer, wenn Rein­heit zum Ide­al wird, kann dies im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ober­fläch­lich wer­den. In Mar­kus 7 kri­ti­siert Jesus einen sol­chen äußer­li­chen Rein­heits­be­griff: „Es gibt nichts, was von außen in den Men­schen hin­ein­geht, das ihn unrein machen könn­te; son­dern, was aus dem Men­schen her­aus­kommt, das ist’s, was den Men­schen unrein macht.“ Über­setzt für heu­te könn­te die Fra­ge lau­ten: Wie viel Ener­gie (im dop­pel­ten Sin­ne und damit auch CO2) ver­wen­den wir dar­auf, sau­ber zu sein? Und wie viel Ener­gie ver­wen­den wir dar­auf, rein von unge­rech­tem, ego­is­ti­schen oder auch umwelt­schäd­li­chen Ver­hal­ten zu sein?

 Quel­len und Lese­tipps:

  1. https://sz-magazin.sueddeutsche.de/die-loesung-fuer-alles/wie-wir-endlich-von-der-flasche-loskommen-86783 [Infor­ma­tio­nen zum Kunst­stoff­ver­brauch im Bade­zim­mer]
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Mikroplastik#
  3. https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/publikationen/2018/kunststoffe-id-umwelt-konsortialstudie-mikroplastik.pdf

[span­nen­der, wis­sen­schaft­li­cher Bericht über Mikro­plas­tik]

Autor: Super­in­ten­dent Tobi­as Beiß­wen­ger, tobias.beisswenger@emk.de